1.0 Objekt

Das Anwesen Roßhof 7 liegt am Ende einer Sackgasse - des heutigen Roßhofs.
In der jetzigen Arrondierung umfasst es die Flurnummern 141 und 150.
Bei dem Hauptgebäude (Fl. Nr. 141) handelt es sich um ein 4-geschossiges, unter-
kellertes Steinhaus, traufseitig zum Roßhof.
Nach Süden schließt in der westlichen Hälfte ein zweigeschossiger Anbau mit
steinernem Erdgeschoss und Fachwerk-Obergeschoss an, der mit dem östlichen
Nachbarhaus einen kleinen Innenhof bildet.
Nach Westen - zur Pfarrgasse - schließt das mit einer Mauer umfriedete Flurstück
Nr. 150 an.
Nördlich (Fl. Nr. 140) ist ein modernes Gebäude (um 1960) an die Nordwand des
Haupthauses angebaut.

Bei dem Haupthaus handelt es sich im Wesentlichen um die steinerne Kemenate -
ehemals 2-geschossiger Saalgeschossbau mit erhöhtem Zugang östlich vom Roßhof
zum 1. Saalgeschoss und südlich (Giebelseite) vermutlich mit Außentreppe zum Ober-
geschoss her - eines größeren Adelshofes der Herren von Roßberg.

Der Besitzkomplex wurde ursprünglich begrenzt im Süden vom Zwinger, östlich von
der Grillengasse und westlich von der Pfarrgasse; die Begrenzung im Norden verlief
vermutlich hinter dem Haus Nr. 3 (Flur-Nr. 139) - dort Reste einer Mauer.

(Diese Angaben stützen sich neben der vorhandenen Literatur auf Informationen von Herrn Dr. Gutbier, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege.)

2.1 Objektgeschichte - Historischer Hintergrund

Die Bezeichnung „Roßhof“ geht nach einem Eintrag in dem Lehnsbuch von 1615 auf
den damals so genannten Roßberg zurück, der seinen Namen von den früheren
Besitzern, den Schenken von Roßberg hatte.
„Idem, es liegt ein Hof nächst bei dem Kirchhof, wird der Roßberg genannt (gehörte)
etwannen dem Schenken von Roßberg. Anstößer: einerseits die Stadtmauer, ist meinen
Gnädigen Herrn Lehen und zinst ihrer Gnaden jährlich 1 Pfd. 1 Pf.“ (Lehnsbuch des
Würzburger Domkapitels v. 1615; Staatsarchiv Würzburg. Zitiert aus Hohe: Ochsenfurter
Geschichten Nr. 7 v. Juli 1987).
Dieser Eintrag gibt Hinweis auf eine Hofanlage; der tradierte Hinweis auf den ehemaligen
Besitz der Schenken von Roßberg läßt den Bezug zu einer Eintragung im Lehensbuch
von 1340 herstellen. Der Eintrag lautet ... „apud curiam, quontam pincere de Roßberg“;
als Bewohner wird eine Konz Betzhold und Fritz Han. angegeben. (Quelle wie vor.)

Durch die Dendrochronologie konnte die Bauzeit des Hauses in die Zeit um 1220/30
festgelegt werden.
Bezugnehmend auf die o.a. Quellenzitate können die Schenken von Roßberg als
Erbauer des Anwesens in Betracht gezogen werden.
Da keine systematischen Erforschungen der Quellen vorliegt, ist eine eindeutige
Aussage zu diesem Punkt bisher nicht möglich.

In den Eintragungen der Standbücher wird der Hof seit 1615 als geteilt in 3 Teile
belegt, wobei die Inhaber der anliegenden Häuser den drei Besitzern zinspflichtig
sind, das Haupthaus bleibt hofintern zinsfrei.

Im Grundbestandsbuch der Stadt Ochsenfurt von 1734 lautet der Eintrag dann:
„Herr Johann Marx Vollerth Domprobstei Keller, ein Haus im Oberviertel, der Roßhof
genannt ...“.
Das Güterbestandsbuch von 1764 nennt einen Franz Laube, Schreinermeister, als
Bewohner.
Seit Ende des 19. Jh. war das Anwesen im Besitz der Familie Trunk, die es um 1970
an die Stadt Ochsenfurt verkaufte. (Umbaubeleg und Besitzerwechsel durch die
Brandversicherungsurkunde von 1897 belegt).
Verschiedene Pläne, im Rahmen der gestaltenden Sanierung der Straßenzüge eine
Auflösung der Sackgasse mit ihrem Hofcharakter durch eine Durchfahrt zur rück-
wärtigen Pfarrgasse zu erreichen, hätten einen Abriss oder eine Aushöhlung des
Hauses bedeutet und scheiterten am Einspruch der Denkmalpflege. So stand das
Gebäude erneut zum Verkauf und wurde 1982 von der Mutter der heutigen Besitzerin
erworben.

2.1 Baugeschichte

In der heutigen äußeren Gestalt zeigt sich das Hauptgebäude seit 1659 nahezu
unverändert.
Der ebenfalls von 1659 stammende südliche Anbau ist mit Fachwerk und Dachstuhl
erhalten geblieben; der nördl. Teil des Anbaus wurde Ende des 19. Jh. mit zweit-
verwendetem Baumaterial erneuert, wobei die Firsthöhe erniedrigt wurde, die Durchgänge
vom Haupthaus im 2. OG geschlossen wurden und ein Laubengang der Phase D (18.Jh.)
verschwand.

Das über einem rechteckigen Grundriss von ca. 11 m x 8,80 m errichtete Gebäude
überbaut ein straßen-niveaugleiches tonnengewölbtes Kellergeschoss mit vier Voll-
geschossen und einem zum Roßhof traufständigen Satteldach als Abschluss. Die
Traufhöhe beträgt ca. 12 m; die Firsthöhe ist ca. 18 m über dem jetzigen Straßen-
niveau.
Die Umfassungsmauern bis zum oberen Abschluss des 3. Geschosses an den
Traufseiten, an den Giebelseiten entsprechend bis zu einem kurz über dieser Höhe ansetzenden gedachten Daches, bestehen aus einem zweischaligen hammergerecht bearbeiteten Muschelkalk-Bruchsteinmauerwerk (Füllung mit mageren Mörtel, Bauschutt
und Bruchsteinresten) mit großformatiger Eckverquaderung aus behauenen Kalksteinen
mit Randschlag. Dieser Baubestand ist die in voller Höhe erhaltene, dem Erstbau von
ca. 1226 zuzuordnende, Mauerwerkssubstanz.
Ab dem 3. Obergeschoss ist - mit innen rückspringender Mauerstärke - eine Fach-
werkaufstockung mit äußerer fluchtgleicher Steinverblendung an den Traufseiten und
im Giebeldreieck vorhanden. Mit dem heutigen Dach ist dies Bestand der Aufstockung
von 1659 (Jahreszahl im oberen Südgiebel-Gefache innen - undDendrochronologie).

Der Putzbestand an der nördlichen, östlichen und südlichen Fassade stammt von 1937;
hierbei ist die Ostfassade mit einem grün gestrichenen Rauhputz versehen worden,
die Giebelseiten wurden lediglich mit diesem Rauhputz beworfen und berappt.
(Eingeritzte Jahreszahl am Nordgiebel und mündliche Auskunft des Malermeisters
Rückel, Ochsenfurt.)
Die Westfassade wurde bei dieser Maßnahme nur in den oberen Fensterbereichen
ausgebessert.
In den unteren Bereichen sind Bestände eines Rusticaputzes, der zwischen die 1. Hälfte des
15. Jh. und 1659 zeitlich eingeordnet werden kann, erhalten geblieben.

Der ursprüngliche Hauptzugang vom Roßhof aus war zur Erbauungszeit im Zwischen-
bereich der heutigen Kellerabgangs- und Hauseingangstüre erhöht (ca. 1,50 m über
heutigem Laufniveau).
Die heute vorhandenen Fenstereinfassungen bzw. Gewände entstammen den ver-
schiedenen Zeiten bzw. Umbauphasen.
Fenster der Erbauungszeit sind in ihrer ursprünglichen Form nicht erhalten. Es finden
sich jedoch verschiedene Gewändeseitenteile, die aufgrund des vorhandenen Drei-
viertelwulstes stilistisch der Erbauungszeit zugeordnet werden können.

Die Dachdeckung der 2.H. des 20.Jh aus roten Tonpfannen wurde bei der jetzigen
Instandsetzungsmaßnahme durch eine Biebereindeckung ersetzt.

Der südliche Anbau ist zweigeschossig. Das Untergeschoss - größtenteils Kalkbruch-
stein, unter Verwendung von verschiedenstem Abbruchmaterial - ist nicht unter-
kellert.
Das erste Geschoss ist in Fachwerk aufgesetzt; in der südlichen Hälfte noch Bestand
von 1659. In der vorderen Hälfte wurde der Anbau beim Umbau 1897 / 1908
(Jahreszahl hinter östl. Dachbalken im Putz eingeritzt) erniedrigt und verändert.

Durch die bisher im Hausinneren durchgeführten Untersuchungen ließen sich folgende
Bauphasen festlegen:

Phase A - J. Hälfte 13. Jh.
Erbauungszeit um 1226-1230 (siehe Anlage dendrochronologische Untersuchung).

Kemenate, Innenausbau als Saalgeschosshaus mit zwei Vollgeschossen über einem
flachgedeckten „Keller“, dessen oberer Abschluss mehr als 1 m über dem heutigen
Laufniveau zu denken ist.
Von dem Kamin in der Ostwand des Erdgeschosses sind die beiden Wangen - mit
abgefasten Vorderkanten und Kämpfer in behauenem Kalkstein erhalten.

Die Decke des 1. Saalgeschosses ist heute nicht mehr erhalten, sie lag knapp 1 m
unter dem Niveau der heutigen Decke des 1. Obergeschosses.

Im Bereich des heutigen 1. Obergeschosses haben sich umfangreiche Putz- und
Malereibefunde dieser Phase erhalten, während im heutigen Erdgeschoss keine
Putzbefunde mehr vorhanden sind.

Die Deckenkonstruktion über dem 2. Saalgeschoss ist in großen Teilen erhalten. Auf
Konsolsteinen an den Längswänden aufliegende Streichschwellen mit Mittellängs-
unterzug auf Konsolstein aufliegend (nur in der nördlichen Hälfte erhalten) liegen die
in Ost-Westrichtung verlaufenden Deckenbalken auf.
Besonders im Bereich der Konsolsteine sind Putz- und Ausmalungsbefunde dieser
Phase erhalten.

Phase B - 15. Jh.
Um 1420-30 erfolgte ein Umbau des Hauses, bei dem die heute noch vorhandene
Geschossteilung eingebracht wurde; die ursprüngliche Bauhöhe blieb erhalten.
Wohl zu diesem Zeitpunkt wurde die Einwölbung des Kellers vorgenommen.
Auf neu eingesetzten Konsolsteinen wurde die Balkendecke über dem Erdgeschoss
aufgelagert (s. Dendro 1+2).

Phase C - 17. Jh.
1659 erfuhr das Gebäude eine Aufstockung zur heutigen Höhe und eine Erweiterung
des südlichen Anbaus (Datierung belegt durch eingeritzte Jahreszahl in einem Gefache
im Südgiebel, innen; sowie durch die verschiedenen dendrochronologischen Unter-
suchungsergebnisse).
Größtenteils (noch heute) erhalten ist die seinerzeit erfolgte Innenaufteilung im 1., 2.
+ 3. Obergeschoss durch Fachwerkwände.

Im südlichen Teil des Obergeschosses im Anbau ist die erste Fachwerkfassung der
Wände mit figürlichen Darstellungen aus dem Leben Jesu in größerem Umfang erhalten geblieben.
Weitere nennenswerte Putz- und Ausmalungsbefunde konnten noch im südlichen
Teil des 2. Obergeschosses festgestellt werden. Es handelt sich um Restbestände
einer ersten blauen Fachwerkfassung mit Fragmenten einer Dekorationsmalerei.
Als Zweitfassung wird das Fachwerk grün umgestaltet, dazu gehörig eine gemalte
Vorhanglamberie.
Im 3. Obergeschoss haben sich Reste der 1. Fachwerkfassung (gelb) erhalten.
Ebenso im südl. Anbauteil, wo die gelben Gefache mit blauem Schattenstich und
schwarzem Begleiter gestaltet sind. In einigen Gefachefeldern sind Darstellungen aus dem
Leben Jesu und Heiligendarstellungen in Resten erhalten.

Phase D - 18. Jh.
Die Maßnahmen dieser Phase sind dem 18. Jh. zuzuordnen. Die Raumaufteilungen
wurden partiell verändert, die Fachwerkwände verputzt und die Decken mit Rahmen-
stuck stuckiert (1. + 2. Obergeschoss). Diese Bestände sind größtenteils erhalten.
Im 2. OG werden in dieser Phase die Fenster des Saales erweitert.
Zum Anbau führte aus diesem Raum ein Durchgang mit geohrtem Steingewände,
vermutlich zu einem Laubengang.
Die Treppenführung wurde evtl. verändert; in jedem Fall wurde die Treppe umgestaltet.
Das erhaltene Treppengeländer ist dieser Phase zuzuordnen.

Phase E - Ende 19. Jh.
Durch die Umnutzung von Wohnhaus und Anbau in eine Lohnkutscherei wird das
gesamte Erdgeschoss landwirtschaftlich genutzt. Im 1. + 2. Obergeschoss werden
zusätzliche Raumunterteilungen eingestellt.
Der nördliche Teil des Anbaus wird um ein Geschoss erniedrigt und unter Mitver-
wendung alter Bauteile erneuert.

Phase F - 20. Jh.
1932 erfolgt der Einbau der Dachgeschossräume.
Im 3. Obergeschoss werden dieFenster erweitert und erneuert; die Fachwerk-
außenwände innenseitig mit Bimsstein verblendet und wie die Trennwände verputzt.
Im 2. Obergeschoss wird der südliche Saal durch eine eingestellte Wand mittig
getrennt. Die Räume werden durch neue Wände, soweit möglich, gegen das eben-
falls zu diesem Zeitpunkt in großen Teilen erneuerte Treppenhaus abgeschlossen.
Der südliche Teil des Erdgeschosses wird ebenfalls abgetrennt.

Nördlich der Hausmitte wird der durch diese Umbauten notwendig gewordene,
gemauerte Kamin durch alle Geschosse eingezogen.

Nach 1932 wurden durch Einzug weiterer Trennwände, besonders im Erdgeschoss
und 1. Obergeschoss im Haupthaus und Anbau, kleine Räume abgeteilt. Im 1. Ober-
geschoss des Haupthauses wurde dabei der Nord-Südunterzug, der noch von Süden
bis zur Hausmitte erhalten war, um ein Drittel gekappt und auf eine dieser Wände
aufgelagert. Sonstige Wände wurden vekeilt eingestellt.
Das Südfenster im 2. Obergeschoss wurde auf eine Achse verkleinert.

Die Gesamtinstandsetzung von 1983 bis 2004 erfolgte in verschiedenen Bauabschnitten,
jeweils begleitet von weiterführenden Untersuchungen zum Baubestand und entsprechenden Dokumentationen.